FC Wiggensbach kommt bei 0:2 in Mering mit blauem Auge davon

Es wäre einer der größten Schocks der Vereinsgeschichte gewesen: FCW-Vorsitzender Michael Gaminek, der viele Begabungen hat, aber sicher keine fürs Kicken, erzielt bei seinem Bezirksligadebüt beinahe ein Traumtor. Zum Glück rettet die Latte.

Es läuft bereits die Nachspielzeit auf der Sportanlage in Mering. Die Gastgeber führen verdient 2:0. Alles ist entschieden. Doch Alexander Methfessel traut in seinem letzten Spiel als Wiggensbach-Trainer seinen Augen nicht. Der 55-Jährige wünscht sich in diesem Moment zum ersten Mal in seiner Karriere, dass seine Mannschaft nicht (!) trifft. Auf dem Feld stolpert Michael Gaminek nach Zuspiel von Maximilian Wieder plötzlich alleine auf das Meringer Tor zu. Er lupft den Ball über den Keeper. Die Zeit scheint stehenzubleiben. Die Kugel segelt in Richtung Torlinie. Und …

Zum Hintergrund muss man wissen: Gaminek ist ein Imposter. Dass der 31-Jährige überhaupt ein paar Minuten Bezirksliga-Luft schnuppern darf, grenzt an unverschämte Dreistigkeit. Schon seine Jugendtrainer haben erkannt, dass bei dem Jungen Hopfen und Malz verloren sind. Im Männerbereich ist er vor zehn Jahren auf ein paar mickrige Kurzeinsätze für die Reserve gekommen. Einst kündigte Zweite-Coach Heribert Guggenmos an, dass am Wochenende alle spielen würden, die „geradeaus laufen können“. Gaminek schaffte es trotzdem nicht ins Aufgebot.

Deswegen schlägt Gaminek früh die Funktionärskarriere ein, steht inzwischen seit Jahren an der Spitze des Vereins. Er selbst weiß bis heute nicht, ob der linke oder rechte Fuß sein stärkerer ist. Zudem ist er an diesem Samstag in Mering in der körperlichen Verfassung eines Niklas Süle, der die ganze Sommerpause bei McDonald‘s eingesperrt war. Doch weil es für Wiggensbach an diesem letzten Spieltag um nichts mehr geht, und Gaminek lange genug gebettelt hat, hat Coach Methfessel angesichts der großen Personalnot die Güte besessen, ihn ohne ein einziges Training auf die Kaderliste zu setzen.

Eigentlich will der Trainer ihn nicht wirklich einwechseln, doch Gaminek schickt sich eigenmächtig zum Warmlaufen (was bei ihm mehr ein Kaputtlaufen ist). Es folgt, was folgen muss: Er kommt in Minute 89 unter Protesten von Kapitän Lukas Ried für Johannes Heinle auf den Platz. Gamineks erster Einsatz für die erste Mannschaft. Nun zurück zur allesentscheidenden Situation: Der Lupfer fliegt am bereits geschlagenen Keeper in Richtung Torlinie. Doch Merings Innenverteidiger Leon Weigand hat aufgepasst. Er klärt den Ball in letzter Sekunde mit dem Kopf. Wenn es das bloß gewesen wäre. Aber das Spielgerät bleibt gefährlich, und fliegt im hohen Bogen weiter Richtung Tor – die Zeit scheint sich noch mal zu verlangsamen. Bis der Ball auf die Latte tischt und ins Toraus trudelt. Draußen schnauft Methfessel, der die Arme über dem Kopf zusammengeschlagen hat, tief durch. Es wäre der größte Fehler seiner Trainerkarriere gewesen. Doch am Ende ist alles gut. Wie insgesamt beim FC Wiggensbach. Die erste Mannschaft beendet die Saison mit einer Tordifferenz von 47:47 auf Rang zehn. Das Team wird auch nächstes Jahr in der Bezirksliga spielen. Der große Schock ist also ausgeblieben – seit Samstag in doppelter Hinsicht. (ep)